Heiligenrode spezial
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Vom Backhaus zur Schusterwerkstatt
Im Jahre 1805 vermerkte der Amtsschreiber Paulsen zum Backhaus des Heiligenroder Pastoren: „Die Dachpfannen werden sehr oft losgebrochen
und entwendet, sobald es also regnet, so wird das Gewölbe samt Herd durchnässt und es mißräth dahero dem Prediger das Bakken sehr oft
und mannigmahl ganz …”. Als er diesen Bericht schrieb, hat er wohl nicht ahnen können, dass etwa 200 Jahre später eben dieses Backhaus
immer noch steht und sogar zu einem kleinen Schmuckstück im Heiligenroder Ortskern umgestaltet wurde.
Wann dieses Backhaus erbaut wurde, ist nicht überliefert, zu gering war dessen Bedeutung. Die ältesten
Zeugnisse sind der obige Bericht, sowie Zeichnungen aus den Jahren 1847 und 1850. Es gehörte zum damaligen Pfarrhaus,
das neben der Kirche zu den ältesten Gebäuden des Heiligenroder Ortskerns zählt und heute noch als Geschäftshaus (das ehemalige
Ladengeschäft Rogge) genutzt wird.
1853 wurde dieses Pfarrhaus nebst Backhaus und Feuerungsschuppen mit Remise verkauft und damit aus dem Amtshaushalt ausgegliedert.
Das ehemalige Pfarrhaus diente fortan als Geschäftshaus und das Backhaus als Lagerschuppen. Der besagte Feuerungsschuppen stand auf
der gegenüberliegenden Seite der Fanger Straße und war laut Kaufbedingungen sofort abzubrechen.
1968 erwarb die Familie Müller (ehem. Klosterhof) von der Forst das zwischen der Fanger Straße und dem Kirch-Parkplatz gelegene
Grundstück und damit auch das Backhaus. Es diente letztlich als Werbeträger für den Klosterhof und machte zum Schluss einen
etwas trostlosen Eindruck.
Es war eine glückliche Fügung, dass der Heimatverein Heiligenrode einen Ausstellungsraum für seine vom früheren Heiligenroder
Schuster Burmester „geerbte” Werkstatt-Einrichtung suchte und Claus Müller im Jahr 2007 dieses kleine Häuschen
zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stellte.
Nun war der Weg frei für eine aufwändige Restaurierung des Gebäudes. Die beiden Heimatverein-Mitglieder Uwe Bleser und Albrecht
Lahnor investierten dafür viele Stunden ihrer Freizeit. Betrachtet man das Ergebnis, so kann man nur dankbar sein für dieses
Engagement: Neben der Kirche mit dazugehörigen Gebäuden und dem Mühlenensemble haben wir nun ein weiteres Schmuckstück im Heiligenroder
Orstskern.
Das Bild unten zeigt Albrecht Lahnor in „seiner Werkstatt”. Hier gibt er Einblicke in die Handwerkskunst und das Leben
in Heiligenrode Anfang des letzten Jahrhunderts. Zu sehen sind u.a. altes Werkzeug, original handgemachte Schuhe und Geschäftsbücher
von 1890. Die historische Schusterwerkstatt ist nicht regelmäßig
geöffnet, Führungen erfolgen nach Absprache.
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